Wie du garantiert dein Lampenfieber besiegst

Wie du garantiert dein Lampenfieber besiegst

Ein Bericht über mein professionelles Sprechtraining für Autoren

Schon bevor ich meinen ersten Roman veröffentlicht habe, war mir klar, dass irgendwann das Thema Lesungen auf mich zukommen würde. Normalerweise eine schöne Sache, wenn man seinen Lesern das eigene Buch vorstellen darf, wenn man die Ehre bekommt in einer Buchhandlung oder in einem Café aus seinem Roman zu lesen, oder etwa nicht?

Schwummriges Licht, Stuhlreihen gefüllt mit Menschen, die nur darauf warten, wie die geschriebenen Worte aus dem Mund der Autorin fließen, wie sie klingen, was sie auslösen.

Man selbst im Rampenlicht. Für mich eine absolute Horrorvorstellung.

Solange ich zurückdenken kann, war es mir ein Graus vor Menschen zu sprechen, alleine auf einer Bühne zu stehen, während des Studiums in der Vorlesung etwas vorzutragen oder im Geschäftsleben vor Kunden eine Präsentation zu halten. Ich habe keine Ahnung, woher genau diese Angst rührt, was mir im Kindesalter oder zu irgendeiner anderen Zeit widerfahren sein mag, das mir das Selbstvertrauen genommen hat, vor anderen zu sprechen.

Schlaflose Nächte, Angstschweiß, Zittern, Übelkeit, Fluchtreflex. Alles Schlagworte, die mir dazu einfallen und Dinge, die ich erlebt habe. Seltsam, denn ich würde mich nicht als schüchtern bezeichnen, ich gehe gerne auf Menschen zu, komme auf Reisen mit Fremden ins Gespräch, mische mich auf Messen ins Getümmel und habe überhaupt kein Problem mit Smalltalk.

Allerdings ist das auch etwas ganz anderes. In den genannten Situationen gibt es nicht diese Erwartungen, da steht man nicht auf die gleiche Art und Weise im Mittelpunkt, wie man es bei einer Lesung tut, wenn alles um einen herum verstummt und man Dreh- und Angelpunkt einer Veranstaltung ist. Vor allem dann nicht, wenn die Leute, die kommen sogar noch Eintritt bezahlen. Zu den Selbstzweifeln mischen sich dann noch die hohen Ansprüche an mich selbst und mein Perfektionismus, was alles noch komplizierter macht.

Beim eigenen Buch tut’s weh

Nun habe ich oft gehört, beim eigenen Buch sollte es doch viel leichter sein. Man weiß wovon man spricht, schließlich hat man monatelang daran geschrieben, kennt die Geschichte und seine Protagonisten, ja teilweise ganze Textpassagen, auswendig. Aber genau da setzt es dem ganzen eben noch einen oben drauf.

Es ist mein Text, etwas, das ganz persönlich aus mir entstanden ist, etwas, das man voller Emotion vortragen möchte oder sollte, wenn man sein Gegenüber berühren möchte, anders als eine Umsatzprognose im Geschäftsleben. Von anderer Qualität, anderer Tiefe und anderem Anspruch. Offen, verletzlich, fast so als wäre ich nackt, würde ich zitternd und nervös vor einer Menschenmenge sitzen und ein Stück meiner Seele nach außen tragen, etwas von mir Preis geben, das sonst nur in den geschriebenen Worten meiner Bücher steckt. Wow! Wie sollte sich die Angst da einfach so verflüchtigen, indem ich mir gut zuredete? Das nachfolgende Zitat drückt es so treffend aus und erklärt in wenigen Worten genau, was ich meine:

Es muss weh tun, verstehen Sie? Wenn das Schöne nicht weh tut, kann man es kaufen. Man soll in dem, was ich spreche, spiele, schreibe, das Dasein spüren, das Leben und den Tod, die Vergänglichkeit und die Unvergänglichkeit. Je schöner und tiefer und wahrer etwas ist, desto schmerzhafter ist es.

Peter Handke

Dialektfrei Sprechen

Und damit nicht genug. Neben meinem Lampenfieber gab es auch noch eine ganz andere Sache, die ich gerne beseitigen wollte. Nämlich meinen süddeutschen Dialekt, der mir ebenso Schweißausbrüche bescherte, wenn ich nur daran dachte, dass man ihn beim Vorlesen hören und er die schön geschriebenen Worte zerstören könnte. Mir selbst stellen sich jedes Mal die Nackenhaare, wenn ich den schwäbischen Dialekt z.B. im Fernsehen höre und das wollte ich dann erst recht nicht meinen Zuhörern antun – ohne meine Heimat schlecht machen zu wollen. Ich liebe das Schwabenland. Nur hege ich eben den Anspruch an mich selbst, schöne Texte, die zudem noch in eine poetische Richtung gehen, angemessen und für den Zuhörer genussvoll vorzutragen. Eben so, wie ich sie selbst gerne hören würde. Doch davon war ich Anfang des Jahres noch meilenweit entfernt.

Wachsen, um Träume zu leben

Es ist mein Traum vom Schreiben zu leben. Und es gibt keinen Weg zurück. Keinen Plan B. Niemals! Das ist mein MUSS, mein Antrieb, meine Vision. Schriftstellerin zu sein und diesen Beruf mit allem auszuüben, was dazu gehört, das ist es was ich will. Und ich glaube, dass wir unsere größten Ängste überwinden müssen, wenn wir unseren Traum leben wollen. Wenn wir der oder die Beste werden wollen, die wir sein können, zu der Persönlichkeit werden wollen, die diesen Traum wahrmacht, dann müssen wir unsere Komfortzone verlassen. Immer wieder.

Wenn du das hervorbringst, was in dir ist, wird das, was in dir ist, deine Rettung sein. Wenn du das, was in dir ist, nicht hervorbringst, wird das, was in dir ist, dich vernichten.

Gnostisches Evangelium

Frustration in Faszination verwandeln

Im April kam dann tatsächlich die erste Anfrage für eine Lesung, wenig später eine weitere, sogar mit entsprechendem Honorar vergütet. Ich hatte also ganz und gar nicht vor mich davor zu drücken und wusste, jetzt ist endgültig der Zeitpunkt gekommen, um etwas zu unternehmen. Ich wollte nicht nur meine Ängste überwinden, ich habe es mir auch zum Ziel gesetzt, Spaß daran zu haben. Ich habe mir gewünscht, dass mir Lesungen von ganzem Herzen Freude bereiten und,  dass die Menschen, die zu meinen Lesungen kommen, eine tolle Zeit erleben, dass sie es sich erlauben, in Emotionen einzutauchen, in die sie sonst vielleicht nicht eintauchen würden, dass sie anschließend nach Hause gehen und ein schönes Erlebnis haben würden, an das sie vielleicht sogar noch zurückdenken, während sie das Buch lesen.

Einen Sprechtrainer finden

Ende April habe ich also den Laptop aufgeklappt, und gegoogelt:
„Sprechtraining Lesungen“.  Nach ein paar Zeilen bin ich schon an einem Eintrag hängen geblieben:

Martin Pfisterer – Schauspieler | Sprecher | Sprechtrainer

Bei solchen Dingen lasse ich mich ziemlich zielsicher von meinem Bauchgefühl leiten und als ich mich auf der Seite umgesehen habe war schnell klar, dass ich mit dem Zug nach München fahren und eine Probestunde wahrnehmen wollte. Denn da stand nicht nur etwas von der Bewältigung von Angst und Zweifeln, sondern von der Möglichkeit, seine eigene Körperstimme zu finden, von Vertrauen & Loslassen, von der richtigen Atmung. Mein Herz tat einen Sprung! Ja, ja, ja! Genau das will ich lernen:

Ziel des Sprechtrainings: Natürliche, rhythmische und sinnliche Gestaltung eines exemplarischen Textes ( Prosa, Lyrik, dramatische Literatur) in entspannter, also souveräner Grundhaltung. Dies mit einer kraftvollen und doch mühelosen Körperstimme, die klar ausstrahlt und den Raum selbstverständlich erfüllt.

Martin Pfisterer

Eine Investition in mich und meine Zukunft als Autorin

Nachdem wir in der Probestunde festgestellt haben, dass die Chemie zwischen Lehrer und Schülerin passt, bin ich über ein paar Monate hinweg regelmäßig mit dem Zug nach München gefahren. Der Aufwand und die Investition waren es mir Wert. Es war und ist eine Investition in mich und meine Zukunft als Autorin. Und es ist so viel mehr, als „nur“ zu lernen wie man Texte schön oder dialektfrei  liest. Es ist eine Erfahrung, ein spannender Lernprozess, indem man sehr viel über sich selbst lernt.

 

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Man lernt Werkzeuge kennen, mit denen man das bereits genannte Ziel erreichen kann. Das wichtigste Instrument ist dabei unsere Atmung. Atmen befreit.  Atmen entfesselt und enthüllt: Emotionen und Schattenthemen, die in jedem von uns wohnen. Nicht nur einmal sind während des Trainings Tränen geflossen. Nicht nur einmal, war ich von mir selbst überrascht. Manchmal bin ich mir auch unsäglich lächerlich vorgekommen. Und auf der anderen Seite haben wir so viel gelacht! Ich durfte schreien und mir Luft machen, Angst und Druck loslassen, ich durfte die Worte singen, komische Bewegungen machen, herum hampeln und richtig atmen lernen. Wieder und wieder habe ich aus meinem Buch vorgelesen und all die Scham ablegen müssen, die ich dabei empfunden habe, vor jemandem, der mir fremd ist, tiefe Gefühle über Worte zu transportieren. Zeitweise hatte ich sogar das Gefühl, ich müsste meine eigene Sprache ganz neu lernen. Denn einen Dialekt loszuwerden, den man seit 35 Jahren in sich trägt, ist nicht ganz leicht – aber möglich!

Es war hart am Anfang, doch dann haben sich nach und nach immer größere Fortschritte eingestellt, die mich umso mehr motiviert haben, dranzubleiben und weiterzumachen. Ziemlich früh bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass das ganze für mich einer Art Persönlichkeitsentwicklung gleicht. Das, was man in einem Sprechtraining dieser Art lernt, dient einem nicht nur für Lesungen, sondern für das ganze Leben. In jeder Situation, in der wir sprechen, ernst genommen, wahrgenommen, wirklich gehört werden wollen, in unseren Beziehungen Gefühle transportieren möchten, kann man das Gelernte anwenden.

Das Körpergefühl wird harmonisiert, das Atemzentrum gestärkt, die Stimmresonanz erweitert und stabilisiert und der gesamte Sprachausdruck sinnlicher, bewusster und dadurch lebendiger. Ausstrahlung entsteht, mehr Kraft und Kompetenz in der alltäglichen und fachlichen Kommunikation.

Martin Pfisterer

Es wird ernst 

Bei meiner ersten Lesung in Mainz, die Anfang September stattgefunden hat, war ich noch extrem nervös. Aber ich wusste, ich muss da jetzt durch, auch wenn ich gerne alles abgeblasen hätte. Es waren nur 20 Minuten reine Lesezeit und ich konnte noch nicht ganz abrufen, was Martin mir beigebracht hat, aber ich habe schon da eine Veränderung bemerkt. Es war eine wichtige Erfahrung und ein erster Schritt in die richtige Richtung. Schlaflose Nächte ja, aber keine Schweißausbrüche, kein Rotwerden, eine bessere Atmung und ein ganz anderer Rhythmus beim Lesen, als noch zu Beginn meines Trainings.

Meilenstein & Quantensprung

Die zweite Lesung, die ich dann Ende Oktober, also erst kürzlich in München erleben durfte, war ein Quantensprung, mein ganz persönlicher Meilenstein!

Eine Stunde reine Lesezeit. Die Besucher haben Eintritt bezahlt. Ich habe mich sehr gut darauf vorbereitet und über Wochen viel Lesen und Atmen geübt. Und dann ist wahr geworden, was ich mir so sehr gewünscht hatte: Noch nie in meinem ganzen Leben, habe ich mich so wohl und sicher gefühlt. Ich selbst habe beim Lesen gespürt und gehört, dass sich an meiner Stimme unfassbar viel verändert hat. Zum ersten Mal, ist es mir gelungen, Atmung und Gefühl miteinander zu kombinieren und das Lesen hat Spaß gemacht.

Die Reaktionen der Zuhörer haben mir im Anschluss bestätigt, dass sich das Sprechtraining mehr als gelohnt hat. Beim Lesen, wurde mir gesagt, war nichts mehr von meinem Dialekt zu hören. Beim Sprechen hört man ihn natürlich immer noch und das wird auch noch eine Weile dauern und mehr Übung erfordern, die wichtigste Hürde war jedoch genommen.

An diesem Tag war ich nicht nur ruhig, ich habe es tatsächlich genossen. Trotzdem war das erst der Anfang, da ist noch sehr viel Luft nach oben, unendlich viel zu lernen. Übung und die Erfahrung, werden helfen. Aber dieser Sonntag in München war einfach nur großartig! Stolz und befreit wie nie, bin ich abends nach Hause gefahren, mit einem viel entspannteren Blick in die Zukunft! 

Es lohnt sich!

Jedem der ähnliche Ängste hat, kann ich also nur von Herzen raten, sich dieser Angst zu stellen und in solch ein Sprechtraining zu investieren. Aber auch für diejenigen, die keine Angst haben, sondern einfach ihre Qualitäten als Sprecher verbessern möchten, kann ich die Teilnahme ausnahmslos empfehlen. Man kann dabei nur gewinnen.

Wer bei Martin Pfisterer lernen möchte, muss nach München kommen. Neben Einzelstunden bietet er auch mehrmals im Jahr Workshops in der Nähe von Machtlfing an. Erst gestern habe ich an einem davon teilgenommen und fand es super! 

Sprechtrainer gibt es in ganz Deutschland und ich bin sicher, jeder kann den für sich perfekten Trainer ausfindig machen. Wer nicht die Möglichkeit hat nach München zu kommen, kann einen Blick auf die Website der Deutschen Sprecherakademie werfen, die an verschiedenen Standorten in ganz Deutschland Gruppenkurse anbietet. Bestimmt gibt es aber auch noch andere Institutionen. 

Mein Fazit:  Das Sprechtraining bei Martin Pfisterer zu absolvieren, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich bin so unfassbar dankbar, dass ich ihn gefunden habe und lernen darf, was er zu lehren hat. Während der Einzelstunden habe ich gelacht und geweint, war zwischendurch verzweifelt und himmelhochjauchzend vor Freude. Am Ende kam es für mich einer Persönlichkeitsentwicklung gleich. Es brachen Dinge hervor, mit denen ich überhaupt nicht rechnen konnte. Ich habe schon jetzt einen Großteil meiner Ängste besiegt und werde mein Sprechtraining in München fortsetzen.

Eine aufregende Reise, die noch lange nicht zu Ende ist.

deine Johanna ♡

 

 

Bioenergetik Alexander Lowe


Zusatzinformation Bioenergetik

Die Arbeit von Martin Pfisterer basiert zu einem großen Teil auf der sogenannten Bioenergetik.

Bioenergetik ist ein Weg, die Persönlichkeit vom Körper und seinen energetischen Prozessen her zu verstehen. Diese Prozesse, d.h. die Energieproduktion durch Atmung und Stoffwechsel und die Entladung der Energie in Bewegung sind die grundlegenden Vorgänge des Lebens. Bioenergetik ist auch eine Therapieform. Sie verbindet Körperarbeit und Arbeit an Geist und Gefühl.

Alexander Lowen

Im Rahmen des Sprechtrainings habe ich mir folgende Bücher von Alexander Lowen gekauft, die ich gerne weiterempfehlen möchte:

Bioenergetik für Jeden: Das vollständige Übungshandbuch von Alexander Lowen
Bioenergetik: Therapie der Seele durch Arbeit mit dem Körper von Alexander Lowen

„Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.“

 

 

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Johanna Kramer

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